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Originalartikel vom 18.02.2002 |
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Was tragen eigentlich Engel? Flügelhemdchen oder was? "Alles", sagt Emuriel-La, der ja ein gewisses Wissen eigen ist, schließlich hat sie vertrauten Umgang mit ihrem persönlichen Engel, "sie müssen sich darin nur wohl fühlen. " Denn dass Engel etwa "knallenge Jeans" tragen, kann sie sich beim besten Willen nicht vorstellen.
Emuriel-La ist Engelmodemacherin. Markenzeichen: Wohlfühlgewänder.
Wallend, wehend, fließend umspielen diese den Körper, "ein Hauch von Überwurf, eine Metamorphose der Welten". Solches schneidert sie, beflügelt von der Inspiration der Unsichtbaren und ihre "Liebesenergie" hineinwirkend, im Rottenburger Atelier den - ja wem denn nun auf den Leib? Nein, nicht den mit ihr so kreativ verkehrenden Geistwesen, sondern leibhaftigen Menschenfrauen und -männern, die das bequeme "Seelengewand" als Hülle schätzen und sich in diesem, wie viele dankbare Trägerinnen bekunden, "beschützt fühlen".
Man könnte also sagen, Emuriel-La mache Schutzengelkleider.
Auf herkömmliche Stoffkonsumenten wie KNITZ mag das befremdlich wirken. Andererseits sind Engel momentan sehr in Mode, folglich ist das Interesse an einer Modenschau der Rottenburger "Angel Collection" auch ein höheres. Und so schart man sich nun bei den "Stuttgarter Heil-Tagen" im großen Kreis, um die Stoff gewordenen Einflüsterungen zu beklatschen, die Emuriel-La via Träumen aus fernen Sphären zu empfangen pflegt.
Es wird überhaupt viel Fernsphäriges nahe gebracht bei diesen Tagen im Haus der Wirtschaft. Aus vielen unter starker Beräucherung stehenden Kojen und Ständen kommt hier das Heil. Da wird Befreiung von Verwünschungen verheißen, dort eine Albträumerin auf der Suche nach dem Not lindernden Stein fündig. Auch sieht man darnieder liegende Besucher, die unter der Klangschale relaxen oder eine Beckenschiefstandskorrektur per Geistheilung angehen lassen. Dazwischen die Kontaktpersonen, die es mit den Engeln aufnehmen.
Bei einer Malerin, die in ihren kosmischen Bildern auch die von Engeln gespannten Netze einfängt, "die uns tragen", wollte KNITZ gern länger verweilen und modische Dinge besprechen. Sie merkt jedoch rasch, dass hier das Basiswissen fehlt, und verliert die Lust an der Kleiderfrage.
Aber auf die weiß dann die von Engeln unterstützte Modeschöpferin Antwort mit den sanft fallenden Gewändern, die ihre Vorführdamen gar zu kleinen Flugbewegungen animieren. Kleider machen Engel. Denn wenn sich die Trägerin darin toll fühlt, ist sie automatisch nett zu anderen. Ein gefallender Engel. Wenig Kleider machen gefallene Engel. Siehe Marlene. Die sind jedoch auch meist nett zu anderen. KNITZ
Bildunterschriften:
So sehen modisch gefallene Engel unserer Zeit aus ...
... und so frivol sah Marlene Dietrich als gefallener oder vielmehr "Blauer Engel" aus
Bilder: Eppler/AP